Sonderausstellung "Ein Suchender malt seine Heimat. Albert Meyer und seine Kunst (1881–1948)"

Nach der Corona-Pause hat das Heimat- und Torfmuseum Gröbenzell am 17. Juli 2022 gleich drei Gründe zum Feiern: Während es seit nunmehr 22 Jahren ehrenamtlich durch den Historischen Verein Gröbenzell e. V. betreut wird, öffnet das Museum an diesem Tag seit langer Zeit wieder seine Pforten und eröffnet zugleich die 40. Sonderausstellung der "Gröbenhüter", die wegen der Pandemie zuvor mehrfach verschoben werden musste. Mit Albert Meyer widmet sie sich einer Gröbenzeller Persönlichkeit sowie ihrem künstlerischen Vermächtnis und trägt den Titel "Ein Suchender malt seine Heimat. Albert Meyer und seine Kunst (1881–1948)".

Albert Meyer

Albert Meyer

Gezeigt werden mehr als 30 ausgewählte Werke von Meyer, teils gemalt oder gezeichnet "plein air". Im Zentrum der Ausstellung stehen seine Landschaftsimpressionen. Ihnen werden Fotografien der Originalschauplätze von Prof. Dr. Christian Besimo gegenübergestellt. Daneben ist auch der von Meyer angefertigte und den ganzen Ort umfassende Generalbaulinienplan von 1931 sowie Luftaufnahmen des damaligen Gröbenzells zu sehen. Die Kuratoren Johann G. Böhmer und Dr. Kurt Lehnstaedt beleuchten auch die persönliche Seite und die ehrenamtlichen Tätigkeiten dieses vielseitigen Mannes, nach dem im Norden der Gemeinde sogar eine Straße benannt ist.

In Gröbenzell fungierte Albert Meyer einst als Motor für die damals noch junge Siedlung. Er war in vielen Vereinen und Organisationen ein wichtiger Akteur – sei es in der Kirchenverwaltung, im Interessenverein, im Freilandverein oder in der Ortsgruppe der Bayerischen Volkspartei. Als Bauingenieur und Planer brachte er seine fachliche Expertise in die Entwicklung des Ortes ein. Außerdem organisierte er das Siedlerfest des Jahres 1931, für das er auch die erste Gröbenzeller Chronik verfasste. Nach dem Zweiten Weltkrieg beteiligte sich Meyer bis zu seinem Tod am politischen Neuanfang in Gröbenzell und im Landkreis. Zu seiner Biografie gehört auch, dass die Nationalsozialisten ihn loswerden wollten. Wie Dr. Kurt Lehnstaedt bereits 2015 in seinem Buch "Gröbenzell in den Jahren 1933 bis 1945" darstellte, wurde Meyer im Zuge der "Gleichschaltung" 1933 als Vorsitzender des Interessenvereins sowie als Aufsichtsratsvorsitzender des Darlehens- und Sparkassenvereins abgesetzt. Damit begnügten sich seine Widersacher jedoch nicht, weshalb sie zu Beginn des "Dritten Reichs" gegen ihn ein Verfahren auf Dienstentlassung bei der Landeshauptstadt München initiierten. Diesen Angriff konnte er nur mit großer Mühe abwehren.

2019 wendete sich eine Enkelin von Albert Meyer, Dr. Ruth Besimo-Meyer über Johann G. Böhmer an den Historischen Verein Gröbenzell e. V. mit der Idee, eine Auswahl von Bildern aus Meyers künstlerischem Schaffen hier in der Gemeinde zu zeigen. Sie recherchierten über 600 Werke des Großvaters, Gemälde, Zeichnungen, Gouachen und Radierungen, dazu noch etliche Fotografien. Zugleich führten sie mit einem Werkverzeichnis eine Arbeit zu Ende, die vor Jahrzehnten bereits Dr. Walter Meyer (1928–2004), der Sohn von Albert Meyer und Vater von Dr. Ruth Besimo-Meyer, begonnen hatte.

Die Amper bei Olching (1946)

Die Amper bei Olching (1946)

Die Ausstellung „Ein Suchender malt seine Heimat. Albert Meyer und seine Kunst (1881–1948)“ ist zu sehen im Heimat- und Torfmuseum Gröbenzell, Rathausstraße 3, geöffnet jeden Sonntag vom 17. Juli bis 16. Oktober 2022, von 10:30–12:30 Uhr.